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Musik-Talente haben vier Schwergewichte im Gepäck

Bericht zum Duo-Abend der Konzertreihe "Forum für jungen Künstler" am 16. Mai 2023

Mit dem jüngsten Konzert im Theaterfoyer des Kurhauses Bad Homburg bewies der Kulturkreis Taunus-Rhein-Main wieder einmal ein glückliches Händchen. Eingeladen waren die erst 19 Jahre alte Geigerin Kim-Chi Stutzinger und der 25-jährige Pianist Dmytro Mikhalov. Mit Werken von Beethoven, Brahms, Ravel und Liszt hatten sie gleich vier Schwergewichte im Gepäck.

Beginnend mit der sogenannten „Frühlingssonate“ F-Dur op. 24 von Beethoven bewiesen beide Künstler sofort ihr großes musikalisches Talent. Voll konzentriert entfalteten sie den gesanglichen ersten Satz vor den Ohren der Zuhörer und zogen diese von Anfang an in ihren Bann. Im folgenden Adagio ist es vor allem das Klavier, das den tragenden Part übernimmt. Die Violine hält sich vornehm zurück. In dem sehr knapp gehaltenen Scherzo schöpft Beethoven seine Fähigkeit zur Karikatur voll aus. Dieses bewusste ironische „Nachklappern“ der beiden Instrumente beherrschten beide Musiker absolut perfekt. Ein ausladendes Rondo, das mehr war als der übliche „Kehraus“ beschloss den Einstieg der beiden Künstler in beeindruckender Weise.

 

Wie vollkommen Kim-Chi Stutzinger ihr Instrument beherrscht, konnte sie dann in der Konzertfantasie „Tzigane“ von Maurice Ravel beweisen. Eine lange Einleitung demonstriert, was alles auf der Geige möglich ist, ehe das Klavier dazu kommt und einen schillernden Hintergrund für weitere artistische Doppelgriffe, Pizzicati und Flageolette in der Geige schafft.

 

Für seinen solistischen Part hatte sich Dmytro Mikhalov kein geringeres Werk als die „Dante-Sonate“ von Franz Liszt ausgesucht. Mit virtuosem Impetus errichtete er vor dem staunenden Publikum dieses pianistische  Monument aus den „Années de pèlerinage“, das sich auf ein Gedicht von Victor Hugo „Après une lecture de Dante“ bezieht. Es beschreibt nicht weniger als den Eintritt der Verdammten in die Hölle, über deren Tor der Satz steht: „Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“. Trotz aller gezeigten technischen Fähigkeiten, hätte man sich das Werk noch etwas eindringlicher und „bedrohlicher“ gewünscht.

 

Den Abschluss nach der Pause bildete die erste Violinsonate G-Dur op. 78 von Johannes Brahms, in der die sich wunderbar ergänzende Musikalität von Stutzinger und Mikhalov noch einmal stark zum Tragen kam. Mit einem innigen Ton im ersten Satz wärmten die beiden Künstler die Seelen der Zuhörer. Das Adagio, unter dem Eindruck des Todes von Brahms’ Patensohn Felix Schumann, einem Sohn von Robert und Clara entstanden,  zeigte eine große seelische Ergriffenheit. Der im piano endende dritte Satz rundete einen beglückenden Konzertabend perfekt ab.

Fotos: S. Stutzinger

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